Navigieren im Nebel: Was erfolgreiches IT-Projektmanagement ausmacht
Kaum ein Begriff ist so überstrapaziert – und zugleich so missverstanden – wie Projektmanagement in der IT-Transformation. In PowerPoint-Folien...
3 Min. Lesezeit
Philipp von der Brüggen
:
23.2.2026
Kaum ein Begriff ist so überstrapaziert – und zugleich so missverstanden – wie Projektmanagement in der IT-Transformation. In PowerPoint-Folien klingt er nach Ordnung, Kontrolle und Planbarkeit. In der Realität ist es oft das Gegenteil: ein Kampf gegen Unsicherheit, Komplexität und Menschen, die sich nicht verändern wollen. Warum klassische Steuerung versagt, wenn alles gleichzeitig in Bewegung ist – und was erfolgreiche Projektmanager wirklich tun.
Große IT-Transformationen scheitern nicht an Technologie, sondern an der Illusion, sie ließen sich managen wie Bauprojekte. Sie sind kein Sprint, keine agile Erfolgsgeschichte, kein sauberer Gantt-Chart – sie sind ein lebendes System, das sich mit jeder Entscheidung neu formt. Trotzdem orientieren sich Manager an Meilensteinplänen oder messen KPI-Fortschritte – und wundern sich, warum der Fortschritt stagniert und die Kosten explodieren.
Die Natuvion & NTT DATA Business Solutions Transformationsstudie 2025 zeigt eindrucksvoll: Über 80 % der Unternehmen überschreiten Zeit- oder Budgetgrenzen, weit mehr als die Hälfte muss ihre Methodik während des Projekts ändern – und fast alle unterschätzen die organisatorische Wucht der Veränderung. Der wahre Grund: Transformation ist kein Projekt. Sie ist eine Zumutung für jede Organisation, die gelernt hat, in Silos zu denken, in Abteilungen zu entscheiden und in Hierarchien zu handeln. Und genau deshalb braucht sie Projektmanagement – aber anders, als wir es gewohnt sind. Nicht als Kontrolle, sondern als Navigation. Nicht als Reporting, sondern als Führung im Nebel.
Große IT-Transformationen sind kein Projekt – sie sind ein bewegliches Ökosystem. Doch noch immer glauben viele Unternehmen, sie ließen sich planen wie ein Bauvorhaben: Budget festlegen, Meilensteine definieren, fertig. Die Realität sieht anders aus.
Die Natuvion & NTT DATA Business Solutions Transformationsstudie 2025 zeigt, dass mehr als zwei Drittel der Unternehmen während ihrer Transformation grundlegende Planänderungen vornehmen mussten – meist nicht aus technischer, sondern aus organisatorischer Notwendigkeit.
Der Irrtum liegt darin, Komplexität mit Kontrolle bekämpfen zu wollen. Erfolgreiche Projektmanager akzeptieren das Gegenteil: Sie führen im Ungewissen. Sie wissen, dass ein zu rigider Plan oft gefährlicher ist als keiner.
„Schneller, agiler, früher live!“ – kaum ein Transformationsprojekt entkommt diesem Mantra. Doch Geschwindigkeit ist ein zweischneidiges Schwert. Laut Studie führen überstürzte Entscheidungen oft zu Nacharbeiten und Kostensteigerungen. Tempo ist kein Selbstzweck. Es braucht organisatorische Aufnahmefähigkeit: Menschen, Prozesse und Systeme müssen das Neue überhaupt verarbeiten können. Transformationen scheitern selten, weil sie zu langsam sind – sondern weil sie zu schnell sind für eine Organisation, die innerlich noch gar nicht so weit ist.

Hinter jedem technischen Workstream steht ein politisches Ringen um Einfluss, Budgets und Deutungshoheit. Die Transformationsstudie nennt „Stakeholder Alignment“ als eine der größten Herausforderungen – ein Begriff, der freundlich verschleiert, was in Wirklichkeit passiert: Projektmanagement ist Diplomatie unter Druck. Wer hier nur Aufgaben verteilt und Fortschritte misst, wird zum Verwalter des Chaos. Wer dagegen die Spannungen aktiv moderiert, Konflikte adressiert und gemeinsame Interessen stiftet, wird zum Architekten der Veränderung. Das erfordert zwar auch Reporting, aber noch mehr Beziehungskompetenz.
Technisch betrachtet ist eine Systemmigration lösbar. Organisatorisch ist sie nicht selten ein Kulturbruch. Wenn ein neues ERP-System eingeführt wird, ändern sich Entscheidungswege, Zuständigkeiten – und manchmal auch Machtverhältnisse. Die Studie zeigt, dass Change Management zwar als Erfolgsfaktor erkannt, aber selten mit dem Projektmanagement verzahnt wird. Das ist fatal: Wer kulturelle Veränderung nicht mitplant, programmiert den Widerstand gleich mit. Transformation bedeutet nicht, Software zu implementieren – sondern die Identität eines Unternehmens neu zu verhandeln.

Ein erstaunlicher Befund der Studie: Projekte, die zu Beginn Datenqualität und -verfügbarkeit systematisch absichern, erleben bis zu 30 % weniger Verzögerungen. Und trotzdem bildet Datenmanagement in vielen Transformationsprojekten das letzte Kapitel – wenn überhaupt. Dabei sind Daten der Sauerstoff jeder Transformation. Ohne sie lassen sich Prozesse nicht automatisieren, Erkenntnisse nicht gewinnen, Entscheidungen nicht treffen. Doch der blinde Fleck reicht weiter: Laut der Transformationsstudie starten 57 % der Unternehmen ihre Transformation mit dem Ziel, moderne Technologien wie künstliche Intelligenz, Machine Learning oder Predictive Analytics zu nutzen. Nicht selten ohne sicherzustellen, ob ihre Daten dafür bereit sind. Aber ohne saubere, konsistente und kontextualisierte Daten bleibt jede KI-Initiative Stückwerk. Projektmanagement, das Daten nur als technische Aufgabe begreift, verkennt seinen größten Hebel. In Wahrheit sind Daten das Fundament jeder digitalen Intelligenz – und damit der eigentliche Beginn einer erfolgreichen Transformation.
Das vielleicht Unangenehmste an großen Transformationen ist, dass niemand wirklich genau weiß, wie der Weg aussieht – auch das Projektmanagement nicht. Führung in dieser Situation heißt: Orientierung geben, wo keine Klarheit herrscht. Vertrauen schaffen, wo Kontrolle nicht möglich ist. Die besten Projektmanager sind daher keine Taskmaster, sondern Navigatoren: Sie verbinden Struktur mit Intuition und Erfahrung, Methodik mit Menschlichkeit. Sie wissen, dass Transformation kein Pflichtenheft ist – sondern ein kollektiver Lernprozess.
Projektmanagement in großen IT-Transformationen ist kein Kampf gegen Chaos, sondern eine Kunst des Umgangs mit ihm. Wer glaubt, Erfolg ließe sich durch Governance allein erzwingen, unterschätzt die Dynamik moderner Organisationen. Die Natuvion & NTT DATA Business Solutions Transformationsstudie 2025 zeigt eindrucksvoll: Transformation gelingt dort, wo Projektmanagement mehr ist als Administration – wo es zur Führung im Wandel wird.
Kaum ein Begriff ist so überstrapaziert – und zugleich so missverstanden – wie Projektmanagement in der IT-Transformation. In PowerPoint-Folien...
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