Wo Fehler in SAP-Projekten geboren werden – und wie man sie stoppt
Wenn Unternehmen auf SAP S/4HANA umstellen, entscheidet eine unscheinbare Disziplin darüber, ob das Projekt reibungslos durchläuft oder im Chaos...
3 Min. Lesezeit
Diana Barun
:
31.3.2026
Wenn Unternehmen auf SAP S/4HANA umstellen, entscheidet eine unscheinbare Disziplin darüber, ob das Projekt reibungslos durchläuft oder im Chaos endet: das Testmanagement. Im Herzen jeder ERP-Transformation prüft es nicht nur Funktionen – es schützt Prozesse, Daten und am Ende den gesamten Geschäftsbetrieb. Natuvion hat dafür einen Ansatz entwickelt, der weit über klassische Tests hinausgeht und Migrationen sicherer, schneller und verlässlicher macht.
Die Integration des Streams Testmanagement (TM) in die Projektmethodik SAP Activate ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für SAP-Projekte. Innerhalb von SAP Activate werden alle Projektaktivitäten in klar definierten Phasen strukturiert. Das Testmanagement wird als eigener Strang in diese Methodik eingebettet und liefert in jeder Phase spezifische Beiträge, wobei die wesentlichen Aufgaben der Testplanung mit Ende der Prepare-Phase beginnen und bis in die Realize-Phase reichen.
Bereits in einer frühen Projektphase wird der Grundstein für eine effektive Testdurchführung gelegt. Ziel des Testens ist es dabei nicht, möglichst viele Defects aufzudecken, sondern sicherzustellen, dass Systeme und Schnittstellen die vorgesehenen Anforderungen konsistent und korrekt ausführen.
Um dieses Ziel zu erreichen, orientiert sich das Testmanagement bei Natuvion am ISTQB Standard (International Software Testing Qualifications Board). Dieser schafft durch einheitliche Begriffsdefinitionen sowie durch standardisierte Vorgehensweisen, wie etwa beim Aufbau von Testfällen, ein konsistentes Fundament für eine qualitative Testdurchführung. Dadurch wird gewährleistet, dass der Testprozess sowohl in der Gegenwart als auch in zukünftigen Projekten, beispielsweise bei Upgrades, effizient und effektiv gestaltet werden kann.
Da bereits bei vergleichsweise kleinen Systemen die Anzahl möglicher Eingaben, Pfade und Anweisungen exponentiell anwächst, ist eine vollständige Testabdeckung in der Praxis nicht realisierbar. Aus diesem Grund ist eine sorgfältige Planung der Testaktivitäten essenziell, um dennoch die bestmögliche Qualität sicherzustellen und das Risiko von Fehlfunktionen auf ein Minimum zu reduzieren.

Für den Erfolg und die Glaubwürdigkeit jedes Testvorhabens ist es zunächst unabdingbar, einen fest definierten Testprozess zu entwerfen, zu durchlaufen und konsequent zu befolgen. Die Qualität der Testaktivitäten hängt in hohem Maße von einer fundierten und frühzeitigen Testplanung ab. Zwar erstreckt sich die Planung und Steuerung der Testaktivitäten über den gesamten Projektverlauf, jedoch ist der Beginn spätestens in der Explore-Phase entscheidend, um Abhängigkeiten nicht nur in Bezug auf die Projektstruktur, sondern auch auf die fachliche Realisierung rechtzeitig zu erkennen und Risiken zu minimieren.
Die Testplanung umfasst alle Aktivitäten, die erforderlich sind, um den Testprozess zu definieren und zu steuern. Dabei bildet die Testplanung den grundlegenden organisatorischen und methodischen Rahmen für alle nachfolgenden Testaktivitäten.
Diese wird als übergeordnete Strategie entwickelt, die den prinzipiellen Ansatz zur Testdurchführung festlegt, einschließlich der zu verwendenden Testarten, Testphasen und Methoden. Eine Teststrategie kann programmweit oder projektübergreifend gelten.
Aufbauend auf der Teststrategie wird ein detailliertes Testkonzept erarbeitet, welches die organisatorische Umsetzung beschreibt. Es umfasst unter anderem die eingesetzten Werkzeuge, die Dokumentationsanforderungen sowie den organisatorischen Ablauf der Testphasen. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Festlegung des Testumfangs, der auf Grundlage der Projektziele, Systemanforderungen und relevanten Geschäftsprozesse definiert wird. Um einen strukturierten Ablauf zu gewährleisten, wird ein detaillierter Testzeitplan erstellt, der Meilensteine, Testzyklen, Abhängigkeiten zu anderen Projektphasen und Projekt-Streams sowie zeitliche Puffer berücksichtigt.
Darüber hinaus wird ein Kommunikationsmodell entwickelt, das die Informationsflüsse zwischen Testteam, Fachbereichen, Entwicklung und Projektleitung regelt. Dieses Modell definiert Kommunikationskanäle, Eskalationswege und Reporting-Intervalle, um Transparenz und Reaktionsfähigkeit sicherzustellen. Parallel dazu erfolgt die Zuweisung klarer Rollen und Verantwortlichkeiten für alle an der Testdurchführung Beteiligten, wie Testleitung, Testanalysten, Tester oder Defect-Manager.
Für die Testdurchführung wird zudem der Bedarf an Testdaten ermittelt, wobei sowohl die Art der Daten als auch deren Herkunft und Aufbereitung festgelegt werden. Die Klärung der erforderlichen Testumgebungen – inklusive Hardware, Software, Netzwerkkonfiguration und Schnittstellen – stellt sicher, dass diese möglichst produktionsnah gestaltet sind. Abschließend wird der personelle Bedarf für die Testdurchführung bestimmt, um sicherzustellen, dass ausreichende Ressourcen zur Verfügung stehen, um den geplanten Testumfang innerhalb der vorgegebenen Zeit umzusetzen.
Den Abschluss der Testplanung bildet die Fertigstellung des Testkonzepts, das von der Projektleitung freigegeben wird. Dieses Dokument ist nicht statisch, sondern wird fortlaufend phasenübergreifend überprüft und an die jeweiligen Projektgegebenheiten angepasst.
Ein wesentlicher Bestandteil der Testplanung ist die frühzeitige Auswahl und Einrichtung eines geeigneten Testmanagement-Tools. Bereits in dieser Phase muss festgelegt werden, mit welchem System die Testfälle dokumentiert, der Fortschritt überwacht und die Berichterstattung durchgeführt werden soll. Die Entscheidung für ein spezifisches Tool beeinflusst maßgeblich die Struktur der Testdokumentation sowie die Effizienz der späteren Testdurchführung. Bei der Auswahl ist zu beachten, dass die Testmethoden und -phasen passend abgebildet und ein strukturiertes, projektweites Reporting ermöglicht werden können. So können beispielsweise Testfälle in verschiedenen Testplänen sequenziert werden, um Abhängigkeiten wie z. B. in einem E2E-Geschäftsprozess abzubilden, oder Tester gezielt bestimmten Testfällen zugeordnet werden, um Verantwortlichkeiten klar zu definieren. Die Einbindung des Tools in bestehende Projekt- und Entwicklungssysteme wird ebenfalls in der Planungsphase vorbereitet, um eine konsistente Informationsbasis und Testabdeckung für alle Beteiligten sicherzustellen. Die finale Entscheidung über die Auswahl der Testwerkzeuge bzw. der Tools obliegt dem Kunden, während Natuvion bei der Tool- Auswahl beratend unterstützt und die für das Testmanagement erforderlichen Strukturen mit aufbaut.
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Testplanung ist die Festlegung der im Projekt anzuwendenden Testmethoden und -phasen. Sie müssen zu einem frühen Zeitpunkt erfolgen, da sie unmittelbare Auswirkungen auf den Projekt- und Testzeitplan, den Ressourceneinsatz und den Testumfang haben. Basierend auf den Projektzielen, den funktionalen Umfängen, den zeitlichen Rahmenbedingungen und den gewählten Migrationsstrategien werden die geeigneten Methoden und Phasen definiert. Typische Beispiele hierfür sind:
E2E-Tests
nicht funktionale Tests
automatisierte Tests
exploratives Testen
Die zugehörigen Testphasen können unter anderem Komponenten- bzw. Modultests, Integrationstests, Regressionstests, User Acceptance Tests (UAT) und Migrationstests umfassen. Fest steht, eine klare und dokumentierte Definition in der Planungsphase stellt sicher, dass die Testvorbereitung gezielt erfolgen kann und spätere Anpassungen auf ein Minimum reduziert werden.
Die Qualität der Testplanung hängt maßgeblich von der Gesamtprojektplanung ab. Ohne abgestimmten Projektplan lassen sich weder realistische Zeit- noch Ressourcenpläne erstellen. Ein belastbares Testkonzept setzt klar definierte Rahmenbedingungen voraus – etwa den Migrationsansatz, verfügbare Testdaten und dokumentierte Geschäftsprozesse (z. B. als Prozesslandkarte).
Testplanung muss integriert erfolgen, nicht isoliert. Eine enge Abstimmung im Projekt sowie klare Zuständigkeiten sind entscheidend. Das Testmanagement agiert nicht nur intern (z. B. Koordination, Tester), sondern muss aktiv mit anderen Projektbereichen kommunizieren und Informationen einholen.
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