Der Go-live entscheidet sich lange vor dem Go-live
Ein erfolgreicher SAP-Go-live beginnt mit guter Testvorbereitung: Erfahren Sie, wie Testfälle, Tools und Testdaten Risiken senken und die Qualität...
3 Min. Lesezeit
Jamila Lea Schmiede & Diana Barun : 20.10.2026
Ob ein SAP-Projekt stabil läuft oder später teuer eskaliert, entscheidet sich oft lange vor dem eigentlichen Testing. Denn erfolgreiche Tests entstehen nicht zufällig, sie sind das Ergebnis einer strukturierten Vorbereitung. Diese umfasst die Planung, Steuerung, Koordination und Kontrolle aller Testaktivitäten mit dem Ziel, die Erfüllung der definierten Anforderungen sicherzustellen.
Der Testmanagement-Prozess ist in verschiedene Phasen aufgeteilt. In der ersten Phase, der Testplanung, werden die organisatorischen, methodischen und technischen Grundlagen für eine strukturierte und effiziente Testdurchführung geschaffen. Dazu zählen vor allem die Einbettung des Testmanagements in die SAP-Activate-Methodik, die Definition von Teststrategie, Testkonzept, Testmethoden und -phasen sowie die Planung von Ressourcen, Testumgebungen, Testdaten und Werkzeugen.
Die Testvorbereitung ist eine entscheidende Phase im Testmanagement und folgt direkt auf die Testplanung. Ihr Ziel: alle organisatorischen und technischen Voraussetzungen zu schaffen, damit die anschließende Testdurchführung reibungslos und effizient erfolgen kann. Weshalb das so wichtig ist? Nur mit gründlicher Vorbereitung können Risiken reduziert, Verzögerungen verhindert und definierte Testziele erreicht werden. Im Rahmen von SAP Activate beginnt die Testvorbereitung in der Explore-Phase, wobei erste Schritte, wie die Auswahl des Testmanagement-Tools, bereits in der Prepare-Phase erfolgen können. Eine Vorbereitung für eine Testdurchführung läuft wie folgt ab:
Ein zentraler Baustein der Testvorbereitung ist die Einrichtung des Testmanagement-Tools. Es dient als gemeinsame Arbeitsplattform für die Planung, Steuerung und Dokumentation sämtlicher Testaktivitäten. Lösungen wie Jira Xray oder SAP Cloud ALM helfen dabei, Testfälle strukturiert zu verwalten, Verantwortlichkeiten transparent zuzuweisen und Ergebnisse sauber nachzuverfolgen. Damit das Tool im Projektalltag echten Mehrwert schafft, müssen Ordnerstrukturen, Workflows und Dashboards sinnvoll aufgesetzt werden. Ebenso wichtig ist eine klare Dokumentation, die Nutzung, Rollen und Berechtigungen nachvollziehbar beschreibt. So entsteht von Anfang an Transparenz – und genau die ist für eine effiziente Zusammenarbeit im Test essenziell.
Ein weiterer wesentlicher Schritt ist die Erstellung und Abstimmung der End-to-End-Testzenarien mit den Fachbereichen. Denn nur wenn die relevanten Geschäftsprozesse vollständig erfasst sind, lässt sich die spätere Testdurchführung sinnvoll steuern. Insbesondere in SAP-Projekten ist eine ganzheitliche Betrachtung der Geschäftsprozesse wichtig. Die enge Zusammenarbeit zwischen Testteam, Fachabteilungen und Schnittstellen ermöglicht die Validierung der Szenarien und die Ergänzung fehlender Varianten. Workshops und Meetings fördern den Dialog und schaffen ein gemeinsames, fachbereichsübergreifendes Verständnis.
Sind die Testszenarien abgestimmt, folgt ihre Priorisierung. Da Zeit und Ressourcen in Projekten naturgemäß begrenzt sind, müssen vor allem kritische und risikobehaftete Prozesse zuerst in den Fokus rücken. Die Priorisierung erfolgt anhand von Kriterien wie Geschäftskritikalität, Komplexität und regulatorischer Relevanz. Eine transparente Freigabe der Prioritäten durch die Projektleitung stellt sicher, dass alle beteiligten Fachbereiche die gleiche Sicht auf die Testreihenfolge haben.
Auf Basis der priorisierten Testszenarien werden im nächsten Schritt konkrete Testfälle erstellt. Diese beschreiben die erforderlichen Testschritte, Eingaben sowie die erwarteten Ergebnisse und bilden damit die Grundlage für eine strukturierte und nachvollziehbare Testdurchführung. Durch die systematische Ableitung der Testfälle wird sichergestellt, dass funktionale und nichtfunktionale Anforderungen vollständig berücksichtigt werden. Gleichzeitig lohnt es sich, Testfälle bereits so zu gestalten, dass sie später als Grundlage für Automatisierung und zu Schulungszwecken dienen können. Das spart langfristig Aufwand und erhöht die Wiederverwendbarkeit im weiteren Projektverlauf.
Parallel zur Erstellung der Testfälle erfolgt die Vorbereitung und Überprüfung der Testumgebung. Diese muss stabil, produktionsnah und vollständig konfiguriert sein, um realistische und belastbare Testergebnisse zu ermöglichen. Dazu zählen insbesondere die technische Infrastruktur, erforderliche Schnittstellen sowie die korrekte Systemkonfiguration. Darüber hinaus wird sichergestellt, dass alle Tester rechtzeitig über die notwendigen Zugriffsberechtigungen verfügen, um ihre Aufgaben zum geplanten Teststart ausführen zu können.
Auf dieser Grundlage schließt sich die gezielte Vorbereitung der Testdaten an. Sie umfasst die Erstellung, Bereinigung und Validierung von Testdaten mit dem Ziel, realistische, vollständige und für die definierten Testfälle geeignete Datensätze bereitzustellen. Wenn nötig, werden fehlende Testdaten generiert, die sich möglichst nah an produktiven Daten orientieren. Alternativ werden vorhandene Daten – beispielsweise aus Migrationen – gezielt ausgewählt, bei Bedarf anonymisiert und den jeweiligen Testkonstrukten zugeordnet. Durch den Einsatz sauberer und validierter Testdaten wird das Risiko von Fehlinterpretationen und verfälschten Testergebnissen deutlich reduziert. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass die Tests unter realistischen Bedingungen stattfinden und praxisnahe Szenarien abbilden, die den späteren Produktivbetrieb zuverlässig widerspiegeln.
Die Testvorbereitung endet mit der Bereitstellung aller notwendigen Voraussetzungen. Dazu gehören: ein konfiguriertes Testmanagement-Tool, abgestimmte, priorisierte Testszenarien, eine freigegebene Testumgebung, eingerichtete Zugänge und vorbereitete Testdaten. Erst das Zusammenspiel dieser Bausteine schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Testdurchführung. Genau darin liegt der Wert der Testvorbereitung. Sie macht aus Planung konkrete Umsetzbarkeit – und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Qualität und Stabilität des SAP-Systems.
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