Natuvion IT-Transformationsstudie: Datenqualität ist Erfolgsfaktor für Enterprise-KI
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4 Min. Lesezeit
Philipp von der Brüggen
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22.9.2026
Die Welt wirkt gerade wie im Dauerkrisenmodus: geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten, technologischer Umbruch. Und mittendrin Unternehmer, die ihren Weg finden müssen. Einer, der genau das täglich tut, ist Norbert Rotter, CEO von NTT DATA Business Solutions – einem Unternehmen mit über 18.500 Mitarbeitenden weltweit. Doch wer hier ein nüchternes Manager-Statement erwartet, liegt falsch. Rotter denkt in Bewegungen, nicht in Stillstand. Und vor allem: Er glaubt an Fortschritt. Ein Gespräch mit Philipp von der Brüggen.
Norbert Rotter: Wir sehen vor allem im Mittelstand eine große Unsicherheit. Gerade Automotive und Maschinenbau schwächeln massiv. China ist nicht mehr Wachstumstreiber, die Transformation zur E-Mobilität läuft nicht rund. Hinzu kommt, dass Deutschland viele Dinge leider zu langsam umsetzt. Zudem wird teilweise mehr gemeckert als getan. Wir setzen als Unternehmen deshalb ganz bewusst auf das Leistungsprinzip. Für mich heißt das: Die Extrameile gehen. Standard allein reicht heute nicht mehr aus, um Kunden nachhaltig zu überzeugen.
Norbert Rotter: Wir müssen mit einem Gesamtpaket begeistern. Wie in einem Restaurant: Gutes Essen allein reicht nicht, auch der Service, die Freundlichkeit und die Atmosphäre sind entscheidend – das Gesamtbild zählt. Das beginnt bei uns schon bei den Mitarbeitenden. Wenn sie gerne bei uns arbeiten, tragen sie das nach innen und vor allem nach außen zu unseren Kunden. Unternehmenskultur ist schon lange kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein kritischer Erfolgsfaktor.
Norbert Rotter: Absolut. Wir sehen so viele Insolvenzen wie schon lange nicht mehr. Viele Unternehmen tun sich schwer, sich anzupassen. Gleichzeitig wird klar, dass Abhängigkeiten reduziert werden müssen. Der China-Handel geht wie gesagt zurück, Indien wird dafür immer interessanter. Unternehmen müssen ihr Portfolio und ihre Partnerschaften permanent hinterfragen. Das Problem: Wenn es wirtschaftlich eng wird, werden Investitionen zurückgehalten – vor allem in der IT und Digitalisierung, und das ist eigentlich genau die falsche Reaktion.
Norbert Rotter: Zum Teil schon. Rückblickend gab es sicherlich auch eine gewisse Blauäugigkeit. Solange alles gut lief, hat man stark auf wenige große Anbieter gesetzt. Das birgt Risiken und führt zu einer zunehmenden Monopolisierung. Gerade bei KI verstärkt sich das zusätzlich, weil es massiv um Rechenleistung und Skalierung geht. Deshalb ist es wichtig, sich breiter aufzustellen – technologisch und geografisch.
Norbert Rotter: Nein, aber wir sehen ein Pendel, das lange stark in Richtung Globalisierung ausgeschlagen hat und sich jetzt wieder etwas zurückbewegt. Ich glaube dennoch fest an den offenen Handel. Aber man darf sich nicht abhängig machen. Mein persönliches Motto ist: Du musst immer genug Optionen haben. Das gilt für Unternehmen genauso wie für jeden Einzelnen.
Norbert Rotter: Eine IT-Architektur für 2035 braucht globale Prinzipien, gemeinsame Standards und eine klare technologische Klammer. Gleichzeitig muss sie regional handlungsfähig sein, etwa in Europa, Amerika oder Asien, weil Märkte, Regulierungen und Erwartungen unterschiedlich sind. Regional ausgerichtete IT-Strukturen müssen dabei bewusst aufeinander abgestimmt werden. Komplett frei von Regulierung wird die IT nicht mehr sein. Entscheidend ist, Globalität und regionale Souveränität klug miteinander zu verbinden.
Norbert Rotter: Vor allem im Hinblick auf Effizienzsteigerung. KI kann uns heute schon enorm unterstützen, etwa in der Softwareentwicklung. Code wird schneller erstellt, Prozesse werden optimiert. Aber wir sollten uns nichts vormachen: Auch Effizienz hat Grenzen. Du kannst Prozesse zwar immer weiter optimieren, aber die Kaufkraft der Kunden wächst nicht unbedingt im gleichen Maße.
Norbert Rotter: Ganz klar bei der Monopolisierung. Die großen Player werden immer größer und können Innovationen einfach aufkaufen. Und natürlich kann KI auch missbraucht werden, so wie jede Technologie.
Norbert Rotter: Du wirst nicht von KI ersetzt, sondern von Menschen, die besser mit KI umgehen können. Wer sich nicht mit KI beschäftigt, bekommt irgendwann ein Problem. Besonders betroffen werden viele klassische Bürojobs sein, wie Buchhaltung, Controlling, aber auch Teile der Softwareentwicklung. Weniger betroffen sind aktuell vermutlich Berufe, die körperliche Arbeit und praktische Fähigkeiten erfordern, wie die Gastronomie oder der Sport. Aber am Ende gilt: KI betrifft uns alle.
Norbert Rotter: Sie kann sicherlich helfen, aber sie ist kein Allheilmittel. Wir sehen schon jetzt Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Niemand weiß genau, wo das hinführen wird. Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass Technologien immer wieder Jobs ersetzen, aber gleichzeitig auch neue schaffen. Ich gehe davon aus, dass es diesmal ähnlich sein wird.
Norbert Rotter: Optimismus ist für mich Teil guter Führung. Als Manager und vor allem als CEO löst man jeden Tag Probleme. Wenn du dabei nur negativ denkst, kommst du nicht weiter. Optimismus ist keine Naivität, sondern eine Haltung. Wenn du daran glaubst, Dinge verbessern zu können, inspirierst du damit auch andere.
Norbert Rotter: Indem ich als Vorbild vorangehe und unternehmerisches Denken aktiv fördere. Wir sind Dienstleister, deshalb sollte jeder von uns den Anspruch haben, für unsere Kunden etwas zu bewegen. Das bedeutet mehr, als einfach etwas zu implementieren und dann wieder zu gehen. Wir müssen über den gesamten Prozess hinweg und auch danach echten Mehrwert liefern. Jeder Einzelne kann dazu beitragen. Dafür braucht es die Bereitschaft, den Fokus auf die Ergebnisse beim Kunden zu legen. Genau das meine ich, wenn ich sage, dass wir bereit sein müssen, die Extrameile zu gehen.
Norbert Rotter: Diese Diskussion ist nicht neu, jede Generation hat die nächste kritisch gesehen. Ich halte davon gar nichts. Wir sollten junge Menschen stattdessen fördern, fordern und ihnen Verantwortung zutrauen. Am Ende funktioniert eine Gesellschaft am besten, wenn Menschen Verantwortung übernehmen.
Norbert Rotter: Ganz klar positiv. Nicht weil alles einfach gut laufen wird, sondern weil ich überzeugt bin, dass wir Lösungen finden werden – das haben wir immer geschafft. Und genau darum geht es doch: Dinge aktiv zu gestalten, statt sich nur zu beklagen.
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