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4 Min. Lesezeit

Warum SAP auf die Selective Data Transition Community setzt

Transformation Selective Data Transition Migration Data Conversion Suite (DCS)
Warum SAP auf die Selective Data Transition Community setzt

Reik Boettner verantwortet bei SAP die Selective Data Transition Community – ein ungewöhnliches Bündnis aus direkten Wettbewerbern. Gemeinsam entwickeln sie Methoden und Standards für eine der komplexesten Aufgaben der IT: die Transformation nach SAP S/4HANA. Ein Gespräch über Vertrauen, Realitätsschocks in Projekten und die Grenzen von Planung.

 

Wenn Wettbewerber zusammenarbeiten 


Reik, du leitest bei SAP die Selective Data Transition Community – ein Netzwerk aus direkten Wettbewerbern. Wie schafft man es, dass aus Konkurrenz echte Zusammenarbeit wird?

Reik Boettner: Das funktioniert tatsächlich nur über Vertrauen – und das entsteht nicht von heute auf morgen. Am Anfang war das ganz anders. Da war natürlich die Frage im Raum: Was kann ich teilen? Wo halte ich mich lieber zurück? Wir sind ja alle Wettbewerber. Aber über die Jahre hat sich das verändert. Durch gemeinsame Projekte, durch den Austausch, durch die Arbeit an echten Problemen. Irgendwann merkt man: Die anderen kämpfen mit genau denselben Herausforderungen. Und dann passiert etwas Entscheidendes – man hört auf, sich etwas vorzumachen. Heute gehen wir in die Meetings rein und lassen den Wettbewerb bewusst draußen.

Wir arbeiten sehr offenen, sprechen über Dinge, die nicht funktionieren, über Fehler, über schwierige Situationen beim Kunden. Dieser Workshop-Charakter ist extrem wichtig. Jeder bringt seine Perspektive ein, und am Ende profitieren alle davon. Ich findende das jedes Mal faszinierend: Draußen im Markt sind wir klare Wettbewerber. Aber innerhalb der SDT Community arbeiten wir wirklich wie ein Team.


Was genau ist deine Rolle in der Community?

Reik Boettner: Ich habe im Grunde zwei Hüte auf. Zum einen bin ich Teil des Governance-Teams und vertrete SAP. Damit verantworte ich die Community aus SAP-Sicht. Zum anderen arbeite ich im Customer- Evolution-Stream und unterstütze dabei, Selective Data Transition im Markt bekannter zu machen und Go-to-Market- Ansätze weiterzuentwickeln.


Wie kommt man zu so einem Thema? Das ist ja kein klassischer Karrierepfad.

Reik Boettner: Tatsächlich war das bei mir ein ziemlich natürlicher Weg. Ich habe mich schon lange mit Transformationsprojekten beschäftigt, vor allem im Kontext des globalen SAP S/4HANA-Moves. Da ging es immer um die Frage: Was ist der beste Weg für den Kunden? So bin ich früh mit dem SDT-Ansatz und der Community in Kontakt gekommen und dann irgendwann ganz offiziell Teil davon geworden.

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Warum SAP auf eine Community setzt


Die Idee hinter der Community ist ja ungewöhnlich: SAP holt sich bewusst starke Partner – die gleichzeitig Wettbewerber sind – an einen Tisch. Warum?

Reik Boettner: Das hat zwei Gründe. Erstens wollten wir einen Ansatz entwickeln, der wirklich marktfähig ist. Und das geht nur, wenn man nicht nur auf die eigene Sicht schaut, sondern die Erfahrung der Partner einbezieht. Und zweitens geht es um Skalierung.

SAP allein kann die Transformationen im Markt nicht stemmen. Dafür braucht es ein starkes Partnernetzwerk, und zwar aus Partnern, mit denen man auch inhaltlich eng zusammenarbeiten kann.


Lass uns über SDT selbst sprechen. Wann ist dieser Ansatz für Unternehmen besonders sinnvoll?

Reik Boettner: Der Klassiker ist: Ein Unternehmen will transformieren, aber nicht alle historischen Daten mitnehmen. Also ein klarer Schnitt, aber mit gezielter Übernahme relevanter Daten und Customizing. Besonders spannend wird das bei komplexen Landschaften: großen Systemen, Konsolidierungen, Datenbereinigung. Da spielt der Selective-Data-Transition-Ansatz seine Stärken aus, weil es eben individuell anpassbar ist.


Gibt es auch Situationen, in denen du klar von SDT abraten würdest?

Reik Boettner:  Ja. Wenn jemand sagt: „Ich will einfach nur schnell und günstig rüber“ – ohne Fokus auf Datenqualität oder Innovation. Dann kann eine klassische System-Conversion sinnvoller sein. Aber das sollte man nicht unterschätzen.

Viele Unternehmen müssen ihre Strategie im Projektverlauf anpassen. Eure Studie mit der NTT DATA Business Solutions bestätigt ja, dass mindestens eine Anpassung der Migrationsmethode bei über 70 Prozent der Fall ist. Und genau dann wird es problematisch, wenn man zu starr unterwegs ist.


Heißt: Der ursprüngliche Plan hält selten bis zum Ende?

Reik Boettner:  Genau. Große Transformationen dauern oft zwei bis drei Jahre. Und in dieser Zeit passiert immer etwas: Unternehmen werden verkauft, gekauft, Prozesse ändern sich. Die Annahme, dass alles konstant bleibt, ist einfach unrealistisch.

Status quo: KI in der Transformation


Wie stark verändert Künstliche Intelligenz aktuell die Transformationen?

Reik Boettner: Wir sind mitten in einem Umbruch. Früher nutzte man KI eher für einfache Analysen. Heute sehen wir schon deutlich komplexere Anwendungen, etwa im Mapping. Aber gerade bei hochkomplexen Szenarien wie SDT ist KI noch nicht so weit. Da sind wir noch am Anfang.


Wo wird KI aktuell überschätzt?

Reik Boettner: Bei komplexen, kundenspezifischen Themen vor allem im Z-Bereich. Die Ideen sind da, aber die Umsetzung ist noch nicht so weit, dass man sich komplett darauf verlassen könnte.


Was müssen Unternehmen mitbringen, um KI in der Transformation sinnvoll einzusetzen?

Reik Boettner:  Zwei Dinge: Offenheit und Skills. Viele Kunden erwarten inzwischen, dass wir KI-gestützte Tools einsetzen, um schneller und effizienter zu werden. Aber dafür braucht es auch das entsprechende Know-how auf beiden Seiten.

Ausblick und Tipps für IT-Transformationen


Was wird in Transformationsprojekten am häufigsten unterschätzt?

Reik Boettner:  Ganz klar: das Testing. Das ist ein Testing, das alle kennen und das trotzdem immer unterschätzt wird. Und dann fällt es einem beim Go-live auf die Füße.


Und langfristig – wohin entwickelt sich das ganze Thema Transformation?

Reik Boettner:  Transformation und Wandel sind in der heutigen Welt die Konstante. Während die vergangenen Jahre vor allem durch die Cloudtransformation geprägt waren, stehen wir mit KI möglicherweise vor einer noch tiefgreifenderen Veränderung, sowohl in unseren Lösungen als auch in unseren Tools und Services. Einen weiteren wichtigen Transformationstrend sehen wir im Bereich der Souveränität. Vor dem Hintergrund einer veränderten geopolitischen Lage gewinnen System- und Datensicherheit zunehmend an Bedeutung und entwickeln sich zu einem zentralen Thema in der IT-Landschaft.

In all diesen Transformationen stehen die Daten im Zentrum und werden immer wichtiger. Datensicherheit, Datenqualität und Datenmanagement sind für Kunden essenziell, um ihr Geschäft zu schützen und mithilfe von KI-Geschäftsmodelle sowie tägliche Prozesse zukunftssicher zu gestalten. Am Ende bilden Daten die Grundlage für alles, insbesondere für KI. Stimmt die Datenqualität nicht, funktioniert auch die beste Technologie nicht. Deshalb sehen wir auch einen klaren Trend hin zu Standardisierung und Clean Core.


Werden wir irgendwann Transformationen auf Knopfdruck erleben?

Reik Boettner:  In der Public Cloud – ja, definitiv. Im On-Premise-Umfeld kann ich mir das aktuell noch schwer vorstellen. Dafür sind die Systeme einfach zu individuell und komplex.


Wenn du einem Kunden genau einen Tipp geben dürftest – welcher wäre das?

Reik Boettner: Hört auf eure Beratungspartner! (lacht)

 

Danke für das Interview!

 

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